Sagen aus Aerzen und Umgebung:
Die Zwerge im Lüningsberg bei Aerzen

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Vor langer Zeit haben Zwerge im Lüningsberg auf einer Waldwiese  nachts mit goldenen Kegeln und Kugeln gekegelt. Lange Zeit hindurch trieben die Zwerge ihr Spiel, ohne dass sie darin gestört wurden. Unsere Vorfahren sprachen oft am Feierabend darüber. Aber niemand war bislang zur Nachtzeit in den Wald gegangen, um einmal selbst das Spiel zu beobachten. Die Angst saß bei allen Bewohnern des Ortes zu tief. Bis ein lustiger Webergeselle nach langen Wanderjahren nach Aerzen zurück kam.
Heinrich, so hieß der junge Mann, war ein mutiger und furchtloser Bursche. Er liebte die hübsche Müllerstochter  Anna, und sie liebte ihn ebenfalls. Das Paar wollte heiraten, war aber zu arm, um einen eigenen Hausstand zu gründen.
Da kam dem jungen Mann in der Not ein rettender Gedanke, den er sofort seiner Braut mitteilte : “Anna ich gehe in den Lüningsberg und hole mir noch heute Nacht von den Zwergen eine goldene Kugel.“ Auf dem Weg dorthin wurde ihm ganz unheimlich zu Mute, aber er dachte an seine Anna, und das gab ihm die Kraft vorwärts zu schreiten.
Plötzlich tauchte eine im hellen Mondschein liegende Wiese vor ihm auf, und er ging hinter einen Busch in Deckung. Da sah er durch die Zweige wie die Zwerge die goldenen Kugeln über den Rasen rollten. Eine davon warf alle goldenen Kegel um und landete noch mit Schwung direkt in dem Busch, wo Heinrich lag.
Ein Griff, und der kostbare Schatz war sein. „Anna ,Anna  ich  habe sie“ jubelte er und lief so schnell er konnte aus dem Wald auf den Hummeübergang  zu. Die Zwerge, die seinen Jubelschrei gehört hatten, verfolgten den jungen Mann mit wildem Drohen und Schreien. Sie kamen ihm schon so nah, dass er ihr Keuchen hörte. Er kam an  die Humme und sprang in den Bach. Das rettete ihn, denn das Wasser war für die Zwerge zu tief.

Heinrich aber eilte mit der Beute zu seiner Anna und sie fielen sich  in die Arme. Von dem Erlös der Kugel kauften sie ein Haus in der Pöhlenstraße und lebten glücklich miteinander.

Von den Zwergen im Lüningsberg hieß es aber bald darauf, dass sie aus dem Walde verschwunden seien, und das ihr Kegelspiel aufgehört habe.