Sagen aus Aerzen und Umgebung:

Am Hühnerbusch

 

 Zwischen Gellersen und Aerzen befindet sich ein Ort, welcher "Hühnerbusch" genannt wird, und allen Leuten in dieser Gegend bekannt ist. Dort soll ein gespenstischer Hahn sein Wesen getrieben haben. Gerade wenn es mittags zwölf Uhr war, erhob er seine weithinschallende Stimme, die Wald und Felder durchdrang.

 Aber nicht nur mittags erschallte das Hahnengeschrei aus dem Hühnerbusch. Nein, auch in der Nacht krähte dieser Hahn. Genau um Mitternacht, wenn es im Walde ruhig und still war, erschallte noch durchdringender und schrecklicher sein Krähen.

Selten hat früher jemand diesen gespenstischen Hahn im Hühnerbusch gesehen, nicht am Mittag, sondern in der Nacht. Dann kam er aus dem Gebüsch gelaufen. Er  sah ganz feurig aus, und sein mächtiger Kamm flammte und blitzte. Sein Schnabel schien zu glühen, und seine Schwungfedern leuchteten. Die langen Sporen an seinen Füßen funkelten wie Edelsteine. Stolz aufgerichtet mit flammender Brust lief er herbei, und seine Augen sahen aus wie glühende Kohlen.                                                                                                                                                                      Dann flog er vorüber, und man konnte einen feurigen Lichtschimmer sehen, den der Hahn hinter sich herzog, bis er sich auf einen alten Baumstumpf stellte. Dort schlug er mit den Flügeln, dass es aussah, als ob rote Feuerfunken bis in das nebenstehende Gebüsch flogen. Plötzlich reckte er sich zu seiner ganzen riesigen Größe auf und schrie mit aller Macht gellend sein Kikeriki ! Kikeriki ! durch den stillen Wald.

 Kaum war sein Ruf verhallt, war er wieder verschwunden, und die Tiere des Waldes, die von seinen Geschrei geweckt worden waren, beruhigten sich wieder.