Die Wandersmanns-Eiche auf dem Schierholzberg

Von Erich Schütte, Australien

Seit dem Herbst 2001 gibt es in Aerzen die Wandersmanns-Eiche. Sie steht am Schierholzberg-Kammweg oberhalb der Bussardklause. Wie kam es nun zu diesem Namen an diesem Ort?

Ich wohnte früher in der August-Dreier-Straße und wanderte 1958 mit 21 Jahren nach Australien aus. In meiner Jugend war der Schierholzberg für mich und die anderen Kinder der August- und Doris-Dreier-Straße (früher: Meiersdorf) das ganze Jahr über ein wunderbarer Spielplatz. Wir spielten und tranken an der Ewigen Quelle, jagden Füchse, beobachteten Tiere, bauten Höhlen, Hütten und große Osterfeuer, fuhren Ski und Schlitten, spielten „Wildwest" und manches andere.

Als ich 1975 zum ersten Besuch nach Aerzen zurückkam, schnitzte ich meinen Namen in diese Eiche und versteckte unter einem Steinhaufen in der Nähe des Baumes einige australische Münzen.

Bei meinem zweiten Besuch im Herbst 2001 besuchte ich mit meinem Freund Gustav Wissel die Eiche wieder. Die Münzen konnte ich nicht wiederfinden. An dem Baum kam mir plötzlich mein ehemaliger Freund Harald Sack, der 1964 in Australien tödlich verunglückte, und der Name „Wandersmann" in den Sinn und ich dachte, die Eiche – auch wenn sie nicht der schönste Baum ist – sollte diesen Namen haben und an alle ausgewanderten Aerzenerinnen und Aerzener erinnern. Also nannten wir den Baum „Wandersmanns-Eiche" und beschlossen außerdem, dass unverzüglich ein geschnitztes Eichenschild angebracht werden soll, was dann auch mit meinen Freunden Gustav Wissel, Hartwig Böger, Helmut Duffens und Dieter Kropp und einer kleinen Feier am 29. 10. 2001 geschah. Später kam über das Schild noch eine Fähnchenleiste mit 5 Staats-Fähnchen.

Ausgewanderte werden, da man sie selten oder nie mehr sieht, doch schnell vergessen, aber wie sieht es bei den Auswanderern aus? Sie vergessen ihre alte Heimat nicht. Ich habe mit vielen Auswanderern über Heimat und Heimweh gesprochen, und alle denken häufig an die alte Heimat, Verwandte und Freunde, die sie dort zurückließen. Solche Gedanken verstärken sich dann, wenn man älter wird. Für uns Auswanderer ist und bleibt Deutschland die Heimat und die meisten sind auch sehr stolz darauf.

Ich habe mir nun immer wieder Gedanken gemacht und Gespräche mit Freunden und Verwandten geführt, wie man diese Erinnerungsstätte noch weiter ausbauen könnte, natürlich mit Zustimmung der zuständigen Forstgenossenschaft Groß Berkel. Auch Rainer Schliep in Kanada, der früher in der Grevestraße wohnte und 1969 auswanderte, hat sich sehr für diese Idee eingesetzt. So wurde bald eine schöne und stabile Bank mit einem Tisch von Karlheinz Pritzkow gebaut und dort aufgestellt. Damit auch für eine kleine Gruppe genügend Sitzplätze vorhanden sind, wurde etwas später noch eine zweite Bank aufgestellt und ein großer Fahnenmast in der Nähe von Eiche und Bank, an dem immer eine große Deutschland-Fahne weht. Der Ausbau des Platzes an der Wandersmanns-Eiche wurde im Mai 2005 mit der Errichtung einer kleinen Schutzhütte abgeschlossen.

An den Banklehnen sind und werden Namensschilder der Ausgewanderten angebracht. Es werden aber nur Ausgewanderte dort „verewigt", mit denen wir Kontakt hatten und die damit einverstanden sind. Außerdem sind an den Lehnen auch Schilder mit den Namen von Förderern und Sponsoren befestigt.

Am 29. Juni 2002 (letzter Samstag im Juni) wurde mit vielen Verwandten und Freunden von Rainer Schliep und mir, sowie einer Abordnung des Heimat- und Verschönerungs-Vereins, diese Erinnerungsstätte feierlich eingeweiht mit musikalischer Begleitung durch unseren Heiko Tacke. Auch die Dewezet war mit einem Berichterstatter vertreten und hat am 4. 7. ausführlich darüber berichtet. Einige „Fußkranke" sind mit dem Geländewagen von K.-H. Pritzkow und dem Trecker-Oldtimer von Fritz-Jürgen Tacke, dem Mann meiner Nichte Regina, bis zur Eiche gefahren worden. Leider konnte ich nicht dabei sein, aber es wurden ausführliche Grußbotschaften von Rainer Schliep und mir verlesen. Es war, wie ich damals durch Berichte und Bilder per Internet von meinem Freund Wolfgang Meinecke erfuhr, eine sehr schöne Feier. Alle Anwesenden hatten daraufhin spontan beschlossen, dass jedes Jahr am letzten Samstag im Juni eine Feier an der Eiche stattfinden soll. Ich selbst war bei der Feier 2005 dabei und habe die Schutzhütte mit aufgebaut.

Es haben schon viele Leute, Gruppen, Vereine, Reiter und Biker die Eiche besucht und viele davon trugen sich auch in das Gästebuch ein. Einmal waren Schülerinnen und Schüler einer Klasse aus Rhauderfehn / Papenburg mit ihrem Lehrer Arthur Gröger, der früher in der August-Dreier-Straße bei Lichterfeld´s wohnte, dort oben. Mein australischer Freund Luke Formosa war an der Eiche, als er bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover gearbeitet hat.

Zum Schluß möchte ich mich bei allen Verwandten und Freunden, dem Heimat- und Verschönerungs-Verein und der Forstgenossenschaft Groß Berkel dafür bedanken, dass die Auswanderer-Erinnerungsstätte mit viel Zeit- und Geldaufwand geschaffen werden konnte und durfte.

Ganz besonders danken möchte ich meiner Schwester Elisabeth, meinem Schwager Helmut Rosner und meinem Freund Gustav Wissel für ihren großartigen Einsatz für diese, meine Idee.

Ich denke, dass die Wandersmanns-Eiche in Aerzen zu einem Begriff geworden ist und sie immer wieder daran erinnert, dass es noch Deutsche aus Aerzen im Ausland gibt.

Folgende Auswanderer haben bisher die Wandersmanns-Eiche besucht:

Erich Schütte am 29.10.2001 + 25.06.2005 + 03.09.2011

Burkhard Klesser am 17.08.2004 + 25.06.2005 + 03.09.2011

Herbert Just am 26.08.2004 + 25.06.2005

Paul Derer am 7.10.2005 +30.04.2010 + 03.09.2011

Richard Derer am 7.10.2005

Holger Godidek am 24.06.2006

Hartmut Klesser am 15.07.2007

Ernst Maenz am 6.06.2008

Rainer Schliep am 7.11.2009

Anja Browning geb. Kirsch am 26.06.2010

Christina Koopman geb. Pritzkow am 03.09.2011